NAWiStem3D

Neuronale Organoide: Wissenschaftstheoretische, ethische und rechtliche Implikationen aus Stammzellen gewonnener Modelle des Gehirns  

Das Forschungsprojekt NAWiStem3D (2026-2029) widmet sich der wissenschaftstheoretischen, ethischen und rechtlichen Bewertung von aus Stammzellen generierten dreidimensionalen Modellen des menschlichen Gehirns, den sogenannten neuronalen Organoiden. Gegenwärtig ist die Hoffnung groß, mit neuronalen Organoiden grundlegende Mechanismen der menschlichen Entwicklung des Gehirns und seiner Erkrankungen zu erforschen und zu individualisierten Therapien beizutragen. Zugleich sind wesentliche Fragen offen, denen sich das Projekt in drei aufeinander aufbauenden Teilprojekten widmet.

Wissenschaftstheoretische Analyse

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Neue Modellsysteme werden zur Erforschung grundlegender Mechanismen des Nervensystems verwendet und sollen die Auswahl von Medikamenten unterstützen. Dennoch bleiben viele Fragen in Bezug auf die grundlegenden Annahmen, Möglichkeiten und Grenzen der Forschung offen.

Hauptziel des Teilprojektes ist es, den Entscheidungs- und Handlungsbedingungen gegenwärtiger Entwicklungen in der dreidimensionalen Stammzellforschung nachzugehen. Mit Methoden der Philosophie der Medizin und Wissenschaftstheorie werden grundlegende Annahmen der gegenwärtigen Forschungspraxis herausgearbeitet und auf ihre normativen Implikationen hin untersucht. Übergeordnet wird so den Dynamiken der Forschung aus der Perspektive von Wissenschaft und Gesellschaft nachgegangen, welche die Entwicklung der Technologie auf dem Weg zu einer möglichen klinischen Translation begleiten und prägen. 

Ethische Evaluation

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Für eine ethische Bewertung bedarf es multipler Interessenabwägungen, die nicht allein durch den aktuellen Kenntnisstand, sondern auch durch Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen geprägt sind.

Hauptaufgabe des Teilprojektes ist es, den Dimensionen von Risiken und potentiellem Nutzen auf Basis der Analyse bestehender normativer Dokumente nachzugehen. Erörtert werden unter anderem Fragen in Bezug zum moralischen Status zunehmend komplexerer biologischer Systeme sowie nach den Rechten von Spenderinnen und Spendern. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Personalisierung der Medizin wird sich zudem mit Aspekten der Dateninfrastruktur und Rückverfolgung personenbezogener Daten auseinandergesetzt. Auf dieser Grundlage sollen Folgerungen für Handlungsempfehlungen gezogen werden, die eine verantwortungsvolle Forschung und Anwendung der Organoid-Technologie ermöglichen.

Gesundheitspolitik und Recht

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Innerhalb der Rechtwissenschaft stellen sich derzeit auf nationaler sowie internationaler Ebene und unabhängig von der konkreten Rechtsordnung vielfach Fragen zur Einwilligung, dem Eigentum sowie zum rechtlichen Status und zur Rechtspersönlichkeit der zunehmend komplexeren, aus Stammzellen generierten Systeme.

Hauptziel des Teilprojektes ist es, Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, die dem dynamischen Charakter wissenschaftlicher Ereignisse sowie den sich wandelnden Ansichten innerhalb der Gesellschaft Rechnung tragen. Die Lösung wird daher im Bereich internationaler Soft-Law-Instrumente, wie Handlungsempfehlungen im Rahmen eines Code of Conduct gesucht. Diese sind zwar nicht rechtsverbindlich, können allerdings zur Förderung eines ethischen Konsenses beitragen und nationale Politikgestaltung beeinflussen.

Kontakt

Dr. Sarah Diner
Koordinatorin

Institute for Medical Humanities
Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
Venusberg-Campus 1 Gebäude 61 D-53127
+4922828715008
sarah.diner@uni-bonn.de
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